Interview mit Juwan Parker - Ein Aufstiegsheld geht unter die Autoren

Nürnberg/Columbia - Juwan Parker war in der Saison 2018/2019 Teil der Nürnberger Aufstiegsmannschaft. Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er für das NBA-Team Milwaukee Bucks bevor er sich zum wiederholten Male einen Achillessehnenriss zuzog. Der 26-Jährige, der während seiner College-Zeit den Spitznamen "College Basketball’s Most Educated Man" bekam, hat in dieser Woche sein erstes eigenes Buch, mit dem Titel "The Guide" veröffentlicht. Zeit für ein Interview.

Hi Juwan. Zuerst einmal vielen Dank, dass Du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. In den letzten Monaten warst Du ja schwer beschäftigt und so ist Dein erstes Buch mit dem Titel "The Guide“ diese Woche erschienen. Bitte erzähl uns mehr über Dein Werk, was es für Dich bedeutet und für wen Du es geschrieben hast? Wie sind die Kritiken bis jetzt?

Das Buch zu schreiben war ein sehr intensive Erfahrung für mich. Im College wurde ich "College Basketball's Most Educated Man" genannt, weil ich der einzige Division-I-Athlet war, der mit einem Master-Abschluss sportlich spielberechtigt war. Das Buch soll einen Leitfaden darstellen, um Athleten auf dem College zu helfen, es mir gleich zu tun und mich zu übertreffen. Ich habe es speziell für studentische Athleten geschrieben, aber es enthält Tipps und Tricks, die für alle Studenten gedacht sind, die ein College besuchen wollen. Die Kritiken waren überwältigend positiv. Das war eine sehr angenehme Überraschung. Ich war wirklich nervös und ängstlich, etwas zu erschaffen und es mit der Welt zu teilen, aber genau deshalb ich bin wirklich dankbar für die Unterstützung von so vielen Seiten.

Wann genau hat der "The Guide"-Prozess begonnen? Wie lange hattest Du es schon vor , ein solches Buch zu schreiben?


Der Prozess begann wahrscheinlich im Jahr 2017. Meine Schwester Nikki sagte damals, dass ich ein Buch über meine Reise schreiben sollte. Sie hat also den Stein ins Rollen gebracht und ich litt ein wenig unter dem „Hochstapler-Syndrom“ und hatte wenig Vertrauen und Glauben in mich selbst. Aber die Idee kam wieder auf, als ich nach meiner letzten Operation Bettruhe hatte und ich einfach diesen plötzlichen Drang verspürte, darüber zu schreiben. Es war also wirklich die Idee meiner Schwester und ich habe es einfach getan. Das Timing war richtig.


Wenn Du auf Deine Zeit am College zurückblickst, was war Dein persönlicher „Guide"" oder Deine Hilfe, um zurechtzukommen und Deinen eigenen Weg zu finden? Und welche Bücher hast Du neben der College-Literatur sonst noch gelesen?


Ich bin mit einer erstaunlich erfolgreichen Familie gesegnet. Mein Vater war der eigentliche Schmied dieses Plans. Mein Bruder spielte College-Basketball und machte seinen Abschluss in drei Jahren. Meine Schwester machte ihren College-Abschluss in zweieinhalb Jahren. Ich bin also dem gleichen Plan gefolgt und wurde aufgrund einer Verletzung mit einem zusätzlichen Jahr College ausgestattet, so dass es mir möglich war, an einem Masterabschluss zu arbeiten. Tatsächlich lese ich eine Menge Bücher. Das ist mein größtes Hobby. Etwa zwei Jahre lang habe ich alles gelesen, was ich über Sportpsychologie, Mentalität, Führung usw. finden konnte. Mein Lieblingsbuch ist definitiv "Der Alchemist", das lese ich mindestens zwei- oder dreimal im Jahr.


Vor zwei Jahren warst Du in Deutschland und hast für die Nürnberg Falcons gespielt. Du hattest eine wichtige Rolle in der Mannschaft, die bis ins Finale kam und sich für den Aufstieg in die 1. Liga qualifizierte. Welche Erinnerungen kommen Dir in den Sinn, wenn du zurückdenkst? Wie ist dein Kontakt zu ehemaligen Teamkollegen und Freunden aus dieser Zeit?

Ganz ehrlich, das war die schönste Basketball-Saison in meinem Leben. So viele Erinnerungen und Emotionen. Die Fans und Teamkollegen haben mich wirklich wie ein neues Familienmitglied aufgenommen und das hat eine große Rolle dabei gespielt, dass ich danach nicht mehr spielen wollte. Die Saison war so großartig und man hört so viele Horrorgeschichten über das Spielen in Übersee, also wusste ich, dass es nach einer so großartigen Saison und meiner Verletzungsgeschichte an der Zeit war, aufzuhören. Nürnberg ist deshalb meine europäische Heimat und ich hoffe, dass ich bald zurückkommen und sie besuchen kann, wenn diese Virus-Zeit vorbei ist. Ich stehe immer noch mit den meisten der Jungs in Kontakt. Ish und Jackson natürlich, als die Amerikaner. Aber ich rede auch noch mit Marcell, Basti, Jonathan und Vytas. Das sind meine Jungs für immer.

Nach der Saison in Deutschland bist Du in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt. Du hast angefangen, für die Milwaukee Bucks in der Scouting-Abteilung zu arbeiten. Bitte erzähle uns mehr über diese Erfahrung. Wie sah ein normaler Arbeitstag aus?

Meine Zeit bei den Bucks war unglaublich. Ein typischer Tag war sehr arbeitsreich. Morgens als Erster da sein und an Filmprojekten arbeiten, Spieler und Teams scouten, die auf dem Spielplan standen. Dann etwa ein oder zwei Stunden bevor das Training begann, haben wir individuelle Workouts gemacht. Dann das Training, wo ich die Chance hatte, mit den Spielern zu spielen oder zu trainieren. Nach dem Training dann wieder individuelle Trainingseinheiten. Danach ging es zurück zu Filmprojekten. Trotz der ganzen Arbeit haben wir es geschafft, Spaß zu haben, viel zu lachen und viele Erinnerungen zu sammeln.

Bevor die NBA Bubble 2020 begann, trennten sich die Wege der Bucks und von Dir, also bist Du nach Columbia gegangen und hast wieder mit dem Basketball spielen angefangen. Und dann kam der 4. September, wo Du Dir zum wiederholten Mal die Achillessehne gerissen hast. Du hattest drei Operationen in drei Monaten. Bitte erzähle uns von dieser schwierigen Zeit.


Das war eine harte Zeit. Ich habe nur zum Spaß in einem "Money Tournament" gespielt und war auf dem Weg zum Korb, als es knallte. Ich hatte schon mal einen Riss, also wusste ich genau, was es war, als es passierte. Ich wurde am 15. September operiert. Etwa sie Wochen später hatte ich dann noch einen Unfall, bei dem ich mir die Achillessehne erneut riss, so dass ich in der nächsten Woche wieder operiert wurde. Bei dieser Operation stellten sie fest, dass ich eine bakterielle Infektion hatte. Bei einem weiteren Besuch bei einem anderen Arzt wurde mir eine PICC-Leitung in den Arm gelegt, die 30 Tage lang halten sollte. Ich sollte jeden Tag in eine Klinik gehen und eine IV-Infusion für ein oder zwei Stunden pro Sitzung bekommen. Zwei Wochen nach der Operation ging ich zum Arzt, um den Gips abnehmen zu lassen, und als sie ihn abnahmen, hatte sich die Haut an meiner Achillessehne ziemlich aufgelöst, weil sie dünn war und zweimal in kurzer Zeit aufgeschnitten wurde. Also ging ich zum plastischen Chirurgen, der mir sagte, dass ich eine Hauttransplantation bekommen müsste, und im Grunde wurde mein Bein in ein Puzzle verwandelt und Haut entnommen und umgedreht. Um mich von der plastischen Operation zu erholen, musste ich einen Monat lang Bettruhe halten und wegen der dritten Operation bekam ich weitere 30 Tage lang Infusionen... Es war wirklich eine harte Zeit und wahrscheinlich die schwerste Zeit meines Lebens, um ehrlich zu sein. Ich glaube nicht, dass ich jemals zuvor so am Boden war.


Wie hast Du es geschafft, den Kopf oben zu behalten?

Der erste Grund ist mein Glaube an Gott. Er hatte einen Plan und zum Glück war ich in Columbia von meiner Familie umgeben, als alles schief ging. Deshalb bedeutet mir meine Schwester im Grunde auch so viel. Chauffeur, Krankenschwester, Köchin, all das in einem. Sie war das Wichtigste für mich, sie half mir einfach, mein Leben zu leben. Und während dieser Zeit habe ich versucht, mich wirklich auf Jesus und sein Wort zu verlassen. Ich verbrachte viel Zeit mit ihm und mit Selbstreflexion und am Ende denke ich wirklich, dass diese harte Zeit ein großer Segen war, da ich mir über viele Dinge in meinem Leben klar wurde.

Eine erstaunliche und inspirierende Reise für Dich bis jetzt. Was steht als nächstes für Juwan Parker an? Und was ist die Idee hinter "Ride your wave"?

Ich reite nur auf meiner Welle und mache mein eigenes Ding. Im letzten Jahr habe ich Highschool-Basketballer trainiert und mich wirklich in diese Altersgruppe verliebt und den Spielern geholfen, sich nicht nur als Sportler, sondern auch als Menschen zu entwickeln. Ich werde also weiterhin trainieren und versuchen, jungen Menschen zu helfen. Das ist meine Leidenschaft. „Ride Your Wave“ ist etwas, das ich im College während meines Redshirt-Jahres und meiner Verletzung ins Leben gerufen habe. Ich war deprimiert und habe viel sportpsychologische Literatur gelesen, und eines der Dinge, die in einem Buch herausstachen, war eine Geschichte über Surfer. Dass sie jeden Tag aufstehen, ihre Bretter und ihre Ausrüstung holen und zum Meer fahren. Sie wissen nicht, welche Art von Wellen sie jeden Tag bekommen würden, aber sie bereiten sich vor und gehen jeden Tag mit Glaube und Hoffnung an. Das hat mich wirklich inspiriert, jeden Tag anzugreifen und jeden Tag so weit wie möglich voranzukommen. Dass, wenn ich mich vorbereite und hart arbeite, ich eines Tages diese große Welle bekomme und etwas Besonderes passiert.


Juwan, noch einmal vielen Dank für Deine Zeit. Wir wünschen Dir alles Gute und werden Dir weiter folgen.


(Foto by Nürnberg Falcons / DC Fotografie)